Die Grünen Alten: wie alles begann

3 Fragen an Wilhelm Knabe, Ehrenvorsitzender der Grünen Alten, MdB und Bürgermeister a. D., Umweltwissenschaftler

Wilhelm, wie fing alles ancsm_rtemagicc_knabe_a0ebd415c8?

Der langjährige Sprecher der Grünen,  Reinhard Bütikofer hatte mich  schon 82-Jährigen im Jahr 2004 ganz persönlich dringend gebeten, bei der Gründung einer Altenorganisation der Grünen zu helfen, wohl weil ich 1979/80 schon die Gründung der Grünen Partei in NRW und im Bund erfolgreich mitgestaltet hatte. Ich erfüllte damals diese Bitte der grünen Partei, nicht ahnend, dass dies eine sehr schwierige Aufgabe sein würde.

Auf der darauf folgenden Gründungsversammlung der Grünen Alten in der Bundesgeschäftsstelle der Grünen am 28.8.2004 wurde ich aufgrund meines Einsatzes zu deren Vorsitzenden gewählt, Edith Lampert als gleichberechtigte  Sprecherin.

Bei der Rechtsform der Grünen Alten folgte man den Vorschlägen des rechtskundigen Vorstandsmitglieds der Grünen Omid Nouripur. Er hatte dafür gesprochen, dass wir dies als „nicht eingetragener Verein“ machen sollten und nicht als Teil der Partei oder „eingetragener Verein“.

Warum ging es dann nicht geradlinig weiter? 

Für die junge Partei der Grünen war das Image des Jungseins und Aktivseins so wichtig, dass kaum eine oder einer sich „alt“ fühlte. Außerdem sah man seine Chancen auf Aufstieg innerhalb der Grünen mit dem Emblem „Alt“ gleich Null an.

Entgegen der allgemeinen politischen Erfahrung glaubte man im Vorstand der Grünen vielleicht, dass die „Alten“ ruhig etwas probieren könnten, aber doch bitte nicht mit Mitteln der Partei. Die Unterstützung reichte gerade mal aus, um jedenfalls die Fahrtkosten oder  Reisekosten des Vorstandes der Grünen Alten zu erstatten. Die Vorstandsmitglieder selbst arbeiteten ehrenamtlich, ohne Honorar oder Aufwandsentschädigung.

Die Skepsis gegenüber der Gründung war auch dadurch verursacht, dass die gewählte Sprecherin sich durch sehr scharfe Kritik am Bundesvorstand unbeliebt oder verdächtig gemacht hatte.

In den Folgejahren ging die Zahl der Mitglieder immer weiter zurück und sank weit unter die Anfangszahl von über 100 Personen. Ich selbst konnte nicht gegensteuern, denn ich  war durch den Schlaganfall meiner Frau, die ich von 2006 – 2011 zu Hause gepflegt habe, privat so stark gebunden, dass ich nur sehr beschränkt reisen oder agieren konnte und gab den Vorsitz ab.

Was waren die Erfolge der Grünen Alten?

Die damaligen Grünen Alten haben sich als kleine Denkfabrik zum Thema „menschenwürdiges Alter“ sehr verdient gemacht. Die Programmkommission hat hierzu klare Forderungen und die Aufgaben einer grünen Altenorganisation beschrieben. Ihre Ideen sind bald danach durch Vermittlung von Ute Schmitz von dem 2005 in Brüssel gegründeten Netzwerk Grüner Senioren ENGS (European Network of Green Seniors) aufgenommen worden.

Mit 92 Lebensjahren, kurz vor meinem nächsten Geburtstag, kann ich nicht mehr Motor einer Neugründung der Grünen Alten sein, aber ich kann Euch noch an diese Gründungsgeschichte erinnern und betonen, dass die Grünen ohne die Alten Gefahr laufen  „eine Art politischer Krüppel“ zu bleiben, denn ihnen fehlt mit der von außen erkennbaren Generation der Alten ein ganzes Glied der Gesellschaft. Die Wähler haben jedenfalls oft in dieser Richtung abgestimmt.

Allen, die heute die Verantwortung tragen, wünsche ich Mut und Entschlossenheit, das Projekt zu einem guten Ende zu bringen. Als Ruhrgebietler kann ich dazu nur „Glückauf“ wünschen.

Wilhelm Knabe, Sommer 2016