70-plus – und endlich online!

Seit 1993 wird in jeder Legislaturperiode „eine umfassende und differenzierte Analyse der Lebenssituation älterer Menschen“ von Experten:innen verschiedener Fachrichtungen erstellt. Unter anderem erfolgten bereits Berichte zur Wohnsituation im Alter, zur Lebenslage älterer Menschen, eine Analyse zu vielfältigen Potenzialen älterer Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft, zu „Altersbildern in der Gesellschaft“, über die „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“ und aktuell zu „ältere Menschen und Digitalisierung“. Infolge der Corona-Pandemie gewinnt dieser Altersbericht besondere Aktualität.

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Mit dem Berichtsauftrag an externe Expert:innen wurde die Hoffnung verbunden, Erkenntnisse zur Verbesserung der Lebenslage älterer Menschen durch die Digitalisierung zu identifizieren. In ihrer differenzierten Betrachtung stellte die Kommission jedoch sehr schnell fest, dass „… es zum Teil große Unterschiede bei Zugang, Nutzung und Wirkung von digitalen bzw. technischen Anwendungen“ gibt. „Materielle Ressourcen, Bildung, Kompetenzen, Erfahrungen, Einstellungen und auch die geografische Lage des Lebensmittelpunktes“ spielen eine große Rolle. Diese Sachverhalte sind nicht ausschließlich altersspezifisch zu betrachten, sondern gesamtgesellschaftlich anzusehende Phänomene. Denn die Digitalisierung verändert unsere Art zu leben. Wir müssen mit den Auswirkungen dieser gesellschaftlichen Veränderung leben und sollten die positiven Auswirkungen der Digitalisierung für ein besseres Leben und eine lebendige Demokratie nutzen.

Die Corona-Pandemie wirkte bei der Verbreitung digitaler Medien beschleunigend, das Abstandsgebot und die Vermeidung einer Ansteckung erzwangen eine Entwicklung, die in Deutschland zuvor eher schleppend verlief. Wir sollten diesen Schub positiv nutzen und älteren Menschen mehr Teilhabe, Lebensqualität und Sicherheit ermöglichen.

Die digitale Technologie kann einen wichtigen Beitrag leisten, damit ältere Menschen weiterhin Kontakte halten und am kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die Erkenntnis der Kommission, dass die Nutzung des Internets und damit der Einstieg in die digitale Welt, der älteren Generation zunehmend gelingt, darf nicht verkennen, dass der Zugang ins Internet, mit zunehmenden Alter (73–85jährig) deutlich geringer ausfällt, als bei der jüngeren Bevölkerung. Ob digitale Angebote genutzt werden, hängt bislang auch stark von Einkommen und Bildung ab.

Um die digitale Teilhabe zu verbessern, müssen wir unseren Fokus insbesondere auf die 73- bis 85-Jährigen richten und als Ziel eine größere digitale Souveränität der Älteren anstreben.

Die Expert:innen der Kommission definieren die digitale Teilhabe von älteren Menschen als Grundrecht. Handlungsspielräume auch der Älteren sollen damit erweitert werden, dies schließt das Recht auf Nichtnutzung keineswegs aus.

Die Herausforderungen und Chancen für ältere Menschen in der digitalen Gesellschaft finden wir in vielen Bereichen.

Die Kommission konzentrierte sich auf
1. Digitale Technologien und Internet sowie
2. Digitalisierung in zentralen Lebensbereichen älterer Menschen, dazu zählen:
    a) Wohnen und Mobilität,
    b) soziale Integration und Einsamkeit,
    c) Gesundheit, Versorgung, Pflege,
    d) Quartiers- und Sozialraumentwicklung.
3. Bildung und Digitale Souveränität,
4. Daten und Verbraucherschutz,
5. Ethische Diskurse zur Gestaltung des Alterns mithilfe digitaler Technologien,
6. Technikforschung und Entwicklung sowie
7. die Einbeziehung älterer Menschen in die Weiterentwicklung von Technik und Standards.

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Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Digitalisierung zur erheblichen Veränderung des menschlichen Zusammenlebens führt und wir uns diesen Veränderungen stellen müssen. Diese stellen aber auch eine Chance dar, das Leben im Alter, soziale Teilhabe und Autonomie zu gestalten. Feststellbar ist aber auch, die Nutzung der medialen Instrumente birgt Risiken. Mit der Digitalisierung können „… Ungleichheiten verbunden sein“. Die Beteiligung der älteren Menschen am digitalen Wandel ist unerlässlich, damit sie nicht doppelt abgehängt werden: durch das Alter und aufgrund ihrer Einschränkungen. Digitale Hilfsmittel tragen auf jeden Fall dazu bei, länger ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu führen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, gemeinsam mit anderen Menschen zu kommunizieren und Bildung in unterschiedlichen Formaten zu erfahren.

Nutzen wir die Chancen des digitalen Wandels für ein längeres selbstbestimmtes Leben.

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