Der Artikel erinnert an die friedliche Revolution von 1989 aus persönlicher Sicht: von der deprimierenden Stimmung beim Schuljahresbeginn über das Neue Forum und die Potsdamer Proteste an Friedrichskirche und Weltzeituhr, bis zum Fall der Mauer. Er zeichnet nach, wie aus der anfänglichen Euphorie Ernüchterung wurde – ein „Freiheitsschock“ (Ilko-Sascha Kowalczuk), den manche heute in Ostalgie verklären und den die AfD für ihre Spaltungskampagnen instrumentalisiert. Dem stellt der Autor Momente des Zusammenhalts gegenüber: das Sommermärchen 2006, die Hilfsbereitschaft von 2015 und die Begeisterung für die deutschen Basketballerinnen. Ausgehend von Habermas‘ Idee des Verfassungspatriotismus plädiert er für eine „Brücke“ gegen die Spaltung der Gesellschaft, getragen von vier Pfeilern: Solidarität, einer ehrlichen Erzählung, respektvollem Umgang der demokratischen Parteien miteinander und konstruktivem Journalismus.