Wie gelingt eine solidarische Rentenreform?

Text: Christa Möller-Metzger

MdB Katharina Beck, Christa Möller-Metzger, Leon Meyer, Dirk Erdmann (von links) im Gespräch mit 50 Gästen

Das hat der Landesverband der Grünen 60plus in Hamburg zusammen mit der Grünen Jugend gefragt. Ein Thema, das offensichtlich einen Nerv getroffen hat: Ca. 50 interessierte Gäste haben unsere Veranstaltung besucht. Vielleicht eine Idee auch für andere Landesverbände?

Früher war es doch peinlich, über das Thema Rente zu sprechen. Das Leben schien endlos lang, wir fühlten uns jung und unverwundbar – und es konnte noch so viel passieren. In der Jugend schon darüber nachzudenken, wie man im Alter abgesichert sein kann, erschien uns einfach oberspießig. Ein großer Fehler, wie sich später herausstellte. 

Volles Haus in der Zinnschmelze in Hamburg-Barmbek beim Thema Rente

Viele Frauen haben sich damals um die Kinder gekümmert, während ihr Mann gearbeitet und Karriere gemacht hat.

Frauen waren höchstens „Dazuverdienerinnen“ – und wenn die Ehe in die Brüche ging bzw. der Mann sich von der Frau trennte, war es plötzlich aus mit der Versorgung und Absicherung. Einer der häufigsten Gründe für Altersarmut heute.

Deshalb lässt sich die Tradwife Bewegung auch nicht wirklich verstehen, oder? Die Abhängigkeit vom Ehemann wird einfach ausblendet. Eigentlich sollten diese Zeiten vorbei sein!

Geringes Gehalt, geringe Rente, so läuft es. Kein Wunder also, dass eben vor allem Frauen von Armut betroffen sind.

Wohnungsnot, Klima, Lebenshaltungskosten, schlechte Bildungsbedingungen. Die aktuellen Krisen sind vielfältig, und die Jugend protestiert zu Recht – nicht nur in Frankreich, auch in Italien, Albanien, Serbien, Spanien, Portugal, Großbritannien, Belgien, Irland und Griechenland.… In Deutschland gibt es ebenfalls erste Protest-Aufrufe und Demos. 

Leon Meyer von der Grünen Jugend macht sich für eine umlagefinanzierte Rente stark

Die Protestforscherin Sabrina Zayak von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin, spricht von einem großen Perspektivenverlust der jungen Menschen. Viele glauben z.B. gar nicht mehr daran, überhaupt irgendwann eine Rente zu bekommen. 

Deshalb wurde bei dieser Veranstaltung intensiv nach möglichen Lösungswegen gesucht – zusammen mit der Grünen Jugend.

Wir haben grüne Vorschläge zur Rente mit denen der Rentenkommission verglichen. Wobei sich viele Fragen stellten: Wollen wir bei einer rein umlagefinanzierten Rente bleiben oder brauchen wir einen Bürgerfonds nach schwedischem Vorbild? Was können wir gegen Altersarmut tun? Warum ist die Frühstart-Rente bei genauerem Hinsehen ungerecht? Ist die Mütterrente wirklich sinnvoll? Ist es noch zeitgemäß, dass Arbeitsverträge bis zum offiziellen Renteneintritt befristet sind? Und: Wir leben länger und bleiben länger fit – müssten wir nicht die Arbeitsbedingungen so ändern, dass möglichst viele Menschen auch länger arbeiten können, wenn sie wollen ? Und viele wollen das ja.

Flyer und Magazine waren schnell verteilt!

Katharina Beck betonte, dass 4 Millionen Frauen gern arbeiten würden, wenn sie eine einen Betreuungsplatz für ihre Kinder hätten. Daran fehlt es aber!

Leon Meyer stellte gleich zu Beginn einen wichtigen Punkt klar: Wir haben keinen Generationenkonflikt, sondern vor allem ein Verteilungsproblem zwischen Arm und Reich. Da waren wir uns alle einig.

Katharina brachte ein weiteres wichtiges Thema auf den Punkt: Wo liegen unsere Prioritäten? Was können wir finanzieren – und was wollen wir finanzieren?

Kleine Grüppchen im Gespräch nach zwei Stunden Diskussion!

Es war ein richtig guter Abend mit vielen interessierten Gästen, vielen Fragen und konkreten lösungsorientierten Vorschlägen. Zwei Stunden wurde intensiv über die Zukunft unserer Rente geredet – gemeinsam über alle Generationen hinweg. Und am Ende gab es immer noch kleine Grüppchen, die weiter miteinander im Gespräch blieben.

Danke an alle, die dabei waren und mitdiskutiert haben!

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